MAI
2009
Bei Google drei Seiten verloren? Das Minus Thirty Penalty
Purzeln die Rankings bei Google oder sinkt der Page Rank, so stellen sich Betreiber von Webseiten häufig die bange Frage „Ist meine Seite abgestraft worden?“ und verfallen in hektischen Aktionismus.
Da in Sachen Google-Abstrafungen sogar von SEO-Anbietern häufig viel durcheinander gebracht wird und selbst gesundes Halbwissen schon rar ist, möchte ich einige meiner jüngeren Testergebnisse hier gern mit der SEO-Community teilen.
Die wohl spannendste, in Blogs am häufigsten diskutierte, und in der Praxis auch nach gut zwei Jahren noch immer dominierende Form der Abstrafung (Herabsetzungen von Toolbar-PRs einmal außen vor gelassen) ist das sog. „Minus Thirty Penalty“. Dieses Penalty, welches auch als „+30 Penalty“ oder „Page 4 Penalty“ bezeichnet wird, lässt sich leicht daran erkennen, dass die Rankings einer Domain flächendeckend von den Topplätzen um ca. dreißig Positionen (also auf die vierte Ergebnisseite) zurückfallen.
In der Regel ist die Domain selbst mit dem eigenen Namen nicht mehr auf der Poleposition, sondern nur noch auf Platz 31 zu finden.
Untenstehend sieht man die Ranking-Verteilung auf die Ergebnisseiten 1-10 der Suchmaschine Google bei einer exemplarisch gewählten Domain…
a) … vor dem Penalty:
b) …nach dem Penalty:
c) … nach erfolgreicher Überwindung der Google-Abstrafung:
Gerald – in Branchenkreisen auch als MiniVIP bekannt – hat sich vor einiger Zeit bereits einmal die Mühe gemacht, so eine Abstrafung im Zeitverlauf hübsch zu animieren.
Ursache
Diese offensichtliche Herabstufung der Rankings einer Domain häufig in kausalem Zusammenhang mit einer etwas zu „sportlichen“ Herangehensweise beim Generieren von Backlinks. Es gibt auch Mutmaßungen in der SEO-Szene, welche diese Form der Bestrafung mit allen möglichen On-Page-Tricksereien und Cloaking in Verbindung bringen. Diese Vermutungen konnte ich jedoch in keinem meiner Versuche bestätigen. Durch gezielte On-Page Über-Optimierung ließen sich zwar auch gute Rankings rückgängig machen, die Symptome waren jedoch andere.
Ich gehe deshalb davon aus, dass es sich bei diesem Penalty ausschließlich um eine Abstrafung im Zusammenhang mit der Linkstruktur handelt (weitere Tests von mir im Zusammenhang mit der Linkstruktur siehe hier).
In speziellen Versuchen habe ich herausgefunden, dass dabei weniger Linkmenge oder die Linkqualität, als viel mehr die Zusammensetzung der Linktexte die entscheidende Rolle spielt. Gerade wenn unnatürlich viele Links mit dem selben Keyword in kurzen Zeiträumen gesetzt werden, ist ein „Minus Thirty“ häufig die Folge.
Auch die Natürlichkeit der PR-Zusammensetzung der neu gesetzten Links ist offenbar ein Faktor, jedoch gemäß der Testergebnisse ein erheblich geringerer, als ich erwartet hätte.
Ob die Backlinks thematisch passend waren oder nicht, spielte erstaunlicher Weise gar keine Rolle bei der Frage, ob dieses Penalty eine Seite trifft oder nicht.
Bei allen Tests hatten lediglich externe Backlinks in bestimmten Konstellationen eine derartige Wirkung entfaltet. Eine Domain, die durch eine schlechte interne Linkstruktur ein „Minus Thirty“ bekommt, ist mir noch nicht über den Weg gelaufen. Es ließ sich selbst mit extremen Tests auch kein solcher Fall herbeiführen.
Überwindung des Minus Thirty Penalties
Erstaunlicher Weise haben meine Tests ergeben, dass der beste Weg, eine derartig überoptimierte und abgestrafte Domain wieder „auf Kurs“ zu bringen darin besteht, in moderatem Tempo weitere Links zu setzen. Natürlich nicht so, dass die Backlinkstruktur noch unnatürlicher wird. Vielmehr sollte darauf geachtet werden, dass die zu hohe Dichte an Keywords mit der Zeit sinkt. Auch ein realistisches Verhältnis aus Links, die auf die Startseite zeigen zu solchen, die auf die Unterseiten verweisen, ist nützlich.
In den meisten Fällen ließ sich auf diese Weise das Minus Thirty Penalty komplett abschütteln.
Das Löschen aller unnatürlich herbeigeführten Links oder das Wechseln auf eine andere Domain funktionierte zur Überwindung des Penalties nur in Ausnahmefällen.
Anbei ein typischer Verlauf für eine von Google herabgestufte Domain, die ein Penalty bekam, es anschließend jedoch wieder erfolgreich abschütteln konnte. Der SVR der Domain ist auf der Y-Achse zu sehen, die X-Achse stellt den Zeitverlauf dar.
Test-Setup
Es gab eine Gesamtmenge von 25 mit Hilfe unnatürlicher Linktexte beim Linkbuilding „abgeschossener“ Domains, die vom Minus Thirty Penalty betroffen waren.
Davon waren fünf Domains mit hochwertigen, thematisch passenden, in den Content eingebetteten Links angelinkt worden (A). Fünf Domains wurden mit Hilfe von automatischen Linktauschsystemen mit Links versorgt (B). Fünf Domains wurden aus Blogs, Social Bookmark Systemen usw. verlinkt (C). Bei fünf Domains stammte die Verlinkung aus einer Plattform für Textlinkhandel (D) und bei den restlichen fünf Domains bestand die Verlinkung aus einzelnen, direkt vom jeweiligen Webseitenbetreiber gekauften Textlinks, die stets in den Footer der Seiten gesetzt wurden (E), wobei es sich ausschließlich um Webseiten handelte, die ansonsten keine Links verkauften.
Mit den Domains wurde nach Eintritt des Minus Thirty Penalties wie folgt verfahren:
Für je eine Domain aus den Gruppen A bis E wurde versucht, alle gesetzten Links wieder zu entfernen (was gerade bei C nicht komplett möglich war). → Case 1
Für je eine Domain wurden nach dem bisherigen Schema (viel zu wenig Variation bei den Linktexten) weiter massiv Links organisiert. → Case 2
Je eine Domain aus den o.g. Gruppen wurde nach dem jeweiligen bisherigen Schema weiter verlinkt, wobei die bisherigen Linktexte nur noch selten verwendet werden durften. → Case 3
Aus jeder Gruppe wurde eine Domain still gelegt. Die Inhalte wurden auf einer neuen Domain hochgespielt und diese wurde nach dem jeweiligen bisherigen Schema, allerdings nur in sehr geringem Umfang erneut verlinkt → Case 4
Und schließlich wurde eine Domain aus jeder der Gruppen A bis E einfach per 301er Redirect auf eine neue Domain weiter geleitet, ohne dass sonst irgend etwas weitergehendes unternommen wurde. → Case 5
Nachfolgendes Diagramm zeigt, wie sich die Domains nach dem Versuch, das Penalty zu überwinden verhalten haben. Auf der X-Achse sind dabei die Gruppen zu sehen, die Y-Achse zeigt die Auswirkung an. Dabei wurde das Wiedererlangen von Rankings, die denen aus der Zeit direkt vor Auswirkung des Penalties entsprechen, auf den Wert Null normiert. Positive Werte zeigen eine Verbesserung über das ursprüngliche Niveau hinaus an (d.h. die Domains waren nach der Überwindung des Penalties sogar besser zu finden als je zuvor). Negative Werte bedeuten, dass die Werte entweder besser wurden, jedoch das Ausgangsniveau nicht wieder erreichen konnten, gleich schlecht geblieben sind, oder gar noch schlechter wurden.
Der Beitrag wurde am Freitag, den 22. Mai 2009 um 11:20 Uhr veröffentlicht und wurde unter Google Penalties, Tests abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.









Webstandard-Team (Heiko)
Klasse Artikel. Besser kann man die Problematik wirklich nicht beschreiben!
“… mit einer etwas zu ’sportlichen’ Herangehensweise beim Generieren von Backlinks …” ;o))
Hannes
Hallo. Platz 31, ja klingt interessant , folgende Beabachtung konnte ich bei einer meiner Domains beobachten (ja, es ist die vorgestellte url, eine subdomain): ca 1 mal im monat wanderte meine seite für 1,2 tage auf platz 31 und eine andere domain, auch subdomain, ist plötzlich auf platz 4 oder so, und sonst ist die im nirgendwo, und normalerweise bin ich auf platz 5, 6 bei meinem key, und wie gesagt nach zwei tagen ist wieder alles beim alten
Kai
Fragt Johannes doch einfach mal ob ihr einen Dump von ihm bekommt, dann braucht ihr das nicht alles selbst schreiben …
Twitted by VirtualTotte
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Google Bestrafung –30 Filter
[...] Suchmaschinenoptimierung.de gibt es einen interessanten Artikel, wie man die -30 Penality erkennt und wie man sie am besten [...]
Der SEOdiotische Wochenrückblick - KW 21/09 | Der SEOdiot
[...] – Gekaufte Footer-Links bringen das beste Ranking…? Eigentlich ist es ein sehr gut gemachter Praxistest, wie man sich einen „Minus Thirty [...]
UWE
Ein super Artikel. Herzlichen Dank dafür. Nicht nur SEO-Bla-Bla, sondern wissenschaftliche Herangehensweise und den Fokus mehr auf den Fakten als auf polarisierenden Theorien. Trotz der niedrigen Posting-Frequenz entwickelt sich die Seite hier zu einem echten persönlichen Favoriten.
Thx dafür.
Uwe
Daniel
Danke für den tollen Artikel auch von mir.
Nur zwei Fragen stellen sich mir noch:
- Um eine Penalty zu überwinden also das bisherige Linkmuster beibehalten, aber mit geringerer Keyworddichte – heißt, Links häufiger ohne die relevanten Keywords setzen?
- Gibt es Penalties nur für ganze Domains oder auch für Unterseiten bei Blogs? Hab manchmal den Eindruck bei mir, dass manche Postings bzw. Beitragsseiten im Gegensatz zu anderen zeitweise sehr stark in den Rankings schwanken und sich (grundlos) lang auf den hinteren Plätzen aufhalten. Trotzdem gibt es fortwährend gut gerankte Unterseiten.
Daniel
…und dann ist mir über Nacht noch eine Frage eingefallen
- Ist es eigentlich für Google egal, ob ich z.B. vier Links pro Tag auf ein und dieselbe Index setze, oder ob ich auf vier unterschiedliche Unterseiten pro Tag verlinke? Die Domain ist ja identisch, aber die Ziele unterschiedlich.
Wäre das für Google egal, müsste man sich mit zunehmender Größe der Site (bzw. Seitenzahl) ja Sorgen machen, weil die natürliche Verlinkung auf unterschiedliche Unterseiten ja stetig mit steigt… oder anders gesagt: Wenn es Google nicht egal ist, könnte man (viele Unterseiten vorausgesetzt) pro Tag mehrere Backlinks setzen, diese aber auf viele Unterseiten verteilen.
Daniel
Wenn man sich erst einmal mit einer Thematik beschäftigt, kommen von Tag zu Tag immer mehr Fragen zusammen. Sorry, aber das Thema ist einfach zu interessant
Interessant wäre natürlich auch die Google-Wertung im umgekehrte Fall, also mehrere Links von einer Domain (aber unterschiedlichen Seiten). Dies trifft ja u.a. bei den verschiedenen News-Plattformen zu, wenn man hier seine Artikel postet bzw. verlinkt. Wenn man dies exzessiv macht bzw. von hier aus verlinkt, hat man ja schnell mal über 100 Backlinks im Monat zusammen, aber beispielsweise eben von immer der gleichen Handvoll Domains. Wäre das dann in Penalty-Sicht für Google ungefährlich (weil nur ne Handvoll Domain-Backlinks) oder sind unterschiedliche Seiten für Google immer unterschiedliche Links?
SEOnaldo
@Daniel: Penalties habe ich auch schon für Teilbereiche beobachten können – sowohl für Subdomains, als auch für einzelne Pfade und einzelne URLs.
Ich denke, der Schlüssel im Überwinden liegt nicht unbedingt im Beibehalten des Musters, sondern in erster Linie im Reduzieren der “Keyword-Dichte” bei den Links. Das klappt zumindest auch unter Beibehaltung der bisherigen Strategie zur Linkgewinnung.
Zu deiner anderen Frage: Bei großen Seiten mit viel tollem Content auf vielen Unterseiten kommen zwar jede Menge Links hinzu, da die Domain insgesamt aber über extrem viele Links verfügt, ist der Zuwachs prozentual ja sehr niedrig. Und die abgestraften Domains sind sicher nicht für das Überschreiten einer absoluten Linkmenge (z.B. pro Tag) schlechter geranked worden, sondern weil die zusätzlichen Links im Verhältnis bzw. in ihrer Struktur zu unnatürlich wirkten.
Egal ist es Google aber definitiv nicht. Du kannst theoretisch durch schlechtes Linkbuilding auch deine Domain in ein Penalty treiben, ohne einen einzigen Link auf die Startseite gesetzt zu haben.
Zu deiner letzten Frage: Google erkennt, ob ein Link z.B. in der Navi oder im Footer eines Portals 100.000 Mal vorkommt oder ob du Links von 100.000 verschiedenen Domains bekommst. Und das wird auch unterschiedlich gewertet (sowohl im Positiven, als auch im Hinblick auf mögiche Abstrafungen).
Hoffe, ich konnte all deine Fragen beantworten
Viele Grüße
SEOnaldo
Daniel
@SEOnaldo
Erstmal vielen Dank für die ausführlichen Antworten.
Zur letzten Frage bzw. Antwort hätte ich noch ne Nachfrage: Die Frage zielte insbesondere auf die Sicial-News-Sites ab. Wenn ich nun z.B. jeden Tag einen Post/ Beitrag schreibe, diesen über z.B. fünf News-Sites direkt verlinke, habe ich im Monat 30 Beiträge mit jeweils 5 direkten Backlinks und in Summe 150 Backlinks. Das wäre absolut gesehen bei einer jungen Webseite extrem viel und Penalty-gefährdet. Aber zum einen wären es in diesem Beispiel “nur” Social-News-Sites (PR auf follow-Ebene oftmals 0). Und zum anderen eben nur fünf unterschiedliche Hauptdomains (= mit fünf unterschiedlichen IPs), die sich immer wiederholen.
Somit stellt sich die Frage, ob man seine Beiträge, sofern es sie inhaltlich wert sind, überhaupt in Social-News-Sites einstellen sollte, oder ob es aus SEO Sicht sogar schädlich sein kann.
SEOnaldo
Du kannst deine Webseite ruhig unbesorgt in Social-News-Sites eintragen. Mir ist kein Fall bekannt, in dem ein paar Links von einer Hand voll Social-News-Sites zu einem Penalty geführt hätte und dies wäre auch wegen des extrem hohen Mißbrauchspotenzial ganz sicher nicht im Interesse von Google.
Große Wunder fürs Ranking darfst du davon allerdings auch nicht erwarten.
Viele Grüße
SEOnaldo
TechChecker
Hervorragender Artikel, der sicher mit einer großen Menge an Arbeit verbunden war.
Schon erstaunlich, was mit heutiger Technik und euren Tools möglich ist. Da sollte man wirklich nachdenken, die SEOlytics-Tools zu verwenden…
Grüße
Martin
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